Ich bin gar nicht sicher, ob meine Geschichte andere Menschen interessieren wird. Aber was ich weiß ist, dass ich den lieben Menschen danken möchte, die vor einigen Jahren die Idee hatten, anderen einen Schubs zu geben, die wundervolle Freiheit zu erleben, die das Reiten im Gelände bietet. Ich danke Allen, die so viel Zeit und Herzblut in den Cup der Bundesländer stecken, damit der Gedanke an Gemeinschaft und Freude, an Mut und Überwindung, an gemeinsame Zeit mit den besten und schönsten Partnern der Welt, unseren Pferden, in der ‚Reise da draußen‘ einen tollen, neuen Aufschwung erleben kann.

Bei mir hat es gewirkt. Ihr habt es geschafft. Ich habe Euren Aufruf zum „Reiten im Gelände“ zum Anlass genommen, endlich den großen weißen Fleck auf meiner Pferdeleben-Landkarte mit Farbe zu füllen. Es war ein Schritt der Überwindung und es hat großen Mut gefordert. Aber es war an der Zeit, diesen Weg nun zu gehen, um dem Erlebnis „Pferd“ all die Würdigung und Fülle zu geben, die es von Herzen verdient.

 

Dies ist meine Geschichte.

Je älter man ist, umso länger wird die Erzählung. Um es abzukürzen, beginne ich da, wo das erste Pony in mein Leben tritt. Das war spät. Mit 48 Jahren konnte ich mir endlich meinen Kindheitstraum erfüllen. Ich musste viel lernen über Pferde und über das Reiten. Das verläuft dann immer etwas schwierig, wenn man schon ein gewisses Alter überschritten hat. Aber zum Glücklichsein ist es doch eigentlich nie zu spät, oder? Mein doch etwas eigensinniges Fjord-Stütchen stellte mir damals viele Aufgaben und weil mir ganz sicher noch sehr viel Gefühl und Wissen für ein Pferd gefehlt hat, hatten wir in der Anfangszeit auch einige dumme Unfälle. Überflüssig zu bemerken, dass sich diese unglücklichen Ereignisse immer „draußen im Gelände“ abgespielt haben. Dieser Umstand und eine leider fatale Krankheitsdiagnose im Alter von etwa 53 Jahren mit dem Namen Multiple Sklerose, kurz MS genannt, legten den Grundstein dafür, dass sich meine Aktivitäten im Reitsport eher auf das Reiten in der Bahn und auf dem Platz beschränkten. Wenn zuvor durch die Unglücke im Gelände sowieso von mir schon immer mit angezogener Handbremse und einem mulmigen Gefühl geritten wurde, so kamen durch die wachsenden körperlichen Einschränkungen von da an die Ausritte leider noch seltener vor. Zum damaligen Zeitpunkt war es gut so für mich und der einzige Weg.

In der Zwischenzeit habe ich gelernt. Ich habe viel dazugelernt im Reiten und im Umgang mit den Pferden, aber auch damit, mit meiner Krankheit, der Gehproblematik, der geringeren Belastungsgrenze und der häufig kraftraubenden Fatigue umzugehen.

Meine liebe Stute ist vor einigen Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen. Sie hat mir so viel beigebracht. Und obwohl es sich für Nicht-Pferdeleute nun vielleicht unvernünftig anhört, aber ich habe mir damals noch einmal ein Pony zugelegt. Es wurde ein kleiner, weißer Camargue Wallach, dem mein ganzes Herz gehört und den ich über alles liebe. Er ist mein Therapeut für die MS Krankheit und für meine Seele. Er ist immer gut gelaunt und arbeitsfreudig und passt ganz wunderbar auf mich auf. Mit ihm zusammen hatte ich auch den für mich großen Schritt zum Reiten im Gelände wieder häufiger aufgegriffen. Aber für meine innere Überzeugung und eine sorglose Unbefangenheit hat es noch nicht gereicht. Da saßen die Geister der Vergangenheit zu tief. Und wie soll ich meinem Pony vermitteln, dass die Welt da draußen in Ordnung ist, wenn ich selbst nicht davon überzeugt bin?

Mein „totally reset“ erfolgte im letzten Jahr von anderer Seite. Unerwartet und mit einem Faustschlag. Diagnose Krebs. Hhmmm…  Also das auch noch. Da hat sich jemand viel für mich ausgedacht. Ich musste durch einige Operationen und eine wochenlange Bestrahlung. Es zog sich hin bis zum Frühjahr diesen Jahres. Ich habe während der Behandlung 10 Kilogramm abgenommen und meine Kräfte waren so ziemlich komplett im Eimer.

So etwa Anfang Februar 2026 startete ich wieder neu. Aufgeben gilt nicht! Anfangs konnte ich noch nicht einmal selbst das Pferd satteln. Nach dem Pferdholen und Putzen war ich mit meinen Kräften so fertig, dass ich jemanden brauchte, der mir den schweren Westernsattel auf das Pferd hob. Aber da ist unsere Stallgemeinschaft wunderbar. Ich hatte dafür ungefragt immer eine helfende Hand.

Und mit dem langsamen Anwachsen meiner Kräfte kam – wie ein Leuchten am Horizont – die freundliche Aufforderung von Euch, sich der großen Gemeinschaft der Reiter, Fahrer und Säumer beim Cup der Bundesländer anzuschließen.

Ja! Das mache ich. Auf zurück ins Leben. Und wenn schon, dann gleich richtig. Mit Motivation. Innerhalb einer Gemeinschaft Gleichgesinnter und mit dem kleinen Stupser, wöchentlich etwas für die große Sache abzuliefern. Mit dem positiven Effekt, an der immerwährenden Scheu und der Unbehaglichkeit beim Ausreiten kontinuierlich und mit Bedacht arbeiten zu können, um mit ausreichend Zeit und ohne Erfolgsdruck endlich dieses schlechte Gefühl in ein mutiges, selbstbewusstes, pferdeleitendes, sicheres Glücksgefühl für jeden gerittenen oder geführten Kilometer umzuwandeln.

Mein Therapeut für die Genesung und die Erfüllung dieses Vorhabens trägt ein weißes Fell und lebt in einem schönen Offenstall mit Paddock-Trail. Er spiegelt deutlich meine geänderte Einstellung und honoriert es, wenn ich ihn mit wachsendem Mut und Selbstbewusstsein auf den Pfaden unserer neuen Freiheit leite.

Jeden Tag, wenn ich zum Stall fahre, komme ich jetzt noch glücklicher nach Hause.

Durch Euch, liebe Menschen vom Cup der Bundesländer, habe ich endlich meine bösen Geister besiegt und sitze aufrecht und mit Stolz im Sattel – stolz auf mein Pony und auch mich selbst – und ich überlege nicht ob, sondern wann das Pony und ich bereit sein werden für unseren ersten großen Wanderritt.

Es wird noch einige Zeit dauern. Wir lieben unsere Erfolge, die in kleinen Schritten stattfinden. Hier geht es auch um Kraft, Geduld und Sicherheit. Wir gehen noch lange nicht alleine raus. Aber warum auch? Ist es nicht viel schöner, eine wundervolle Landschaft mit Feldwegen und Wiesen, einen herrlichen Wald oder ein beruhigendes Pferdegetrappel auf dem Asphalt gemeinsam zu genießen?

Wir werden begleitet von lieben Stallkollegen oder unserem/r Trainer/in zu Pferd oder zu Fuß, denen es nichts ausmacht, sich unserem Tempo anzupassen. Großen Dank auch an Euch.

Wir haben alle Zeit der Welt. Und wir werden Stück für Stück sicherer und gelassener. Wir können die Ausritte mittlerweile genießen und erschließen uns gerade eine neue Welt, die so lange für uns verborgen war.